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Eine automatisierte E-Mail landet in Deinem Postfach: „Ein potenzieller Mitarbeiter wurde gefunden, Gehalt und Arbeitsbedingungen sind bereits geklärt und die Vertragsunterzeichnung ist in zwei Tagen”. Die Künstliche Intelligenz (Englisch: AI, kurz für Artificial Intelligence) hat den perfekten Mitarbeiter für Deine ausgeschriebene Stelle gefunden und hat bereits alles geklärt, ohne, dass Du nur einmal seinen Namen oder sein Gesicht gesehen hast.

Das ist schon lange kein Sciencefiction-Szenario mehr – sondern die Zukunft, auf die wir zusteuern.
Doch ist die Bewerbung, die nur durch Big Data und AI bewertet wird, wirklich eine objektivere und bessere Alternative zum nie ganz vorurteilsfreien Menschen?

Was ist Big Data?

3,45 Milliarden Suchanfragen gehen pro Tag bei Google ein.
Über 100 Millionen Posts kommen täglich zu den bereits existierenden 40 Milliarden Fotos bei Instagram hinzu.
Und YouTube verzeichnet zwei Milliarden Nutzer weltweit.,
Schon nächstes Jahr soll jeder Mensch täglich 1,5 GB an Daten generieren, das sind 2,5 Trillionen Bytes – an nur einem Tag.

Heutzutage sind Daten nicht mehr nur „Daten”; sie sind eine Währung und wer die meisten Daten besitzt, besitzt am meisten Macht. Jedes gut laufende Unternehmen muss wissen, wo es diese Daten erhält und wie diese zielführend verwendet werden.

Bei dem Begriff Big Data handelt es sich um um einen allgemeinen Begriff, der für die Beschreibung von umfangreichen Mengen an Daten genutzt wird. Die Daten werden von Unternehmen aus den Bereichen des Internets, der Kommunikation, der Finanzindustrie, Energiewirtschaft, des Gesundheitswesen und Verkehrs täglich produziert.

Wenn man von Big Data spricht, werden häufig die Datenberge im Internet gemeint, die von Jahr zu Jahr exponentiell zunehmen. (Gründerszene)

Was ist AI?

Für AI (Artificial Intelligence) oder zu Deutsch KI (Künstliche Intelligenz) gibt es keine allgemeingültige Definition, was nicht überraschend ist: Schließlich gibt es für die konventionelle Intelligenz von Menschen oder Lebewesen auch keine zu 100 Prozent treffsichere Definition . Bei der künstlichen Intelligenz handelt es sich um die Erforschung eines „intelligenten” Problemlösungsverhalten und die Erstellung von „intelligenten” Computersystemen. Künstliche Intelligenz versucht, menschenähnliche Entscheidungen in einem Umfeld, in dem vorher nicht genau definiert ist, wie und was für ein Problem zu lösen ist, zu treffen.

Künstliche Intelligenz unterteilt sich in starke und schwache Intelligenz. Die schwache KI beherrscht ein Gebiet besonders gut, wie zum Beispiel die Spracherkennung eines Handy oder eines Navigationssystems. Die starke KI existiert momentan noch nicht, es ist ein „Programm”, das den Menschen in allen Lebenslagen übertreffen kann und sich kontinuierlich weiter weiterentwickelt und dazu lernt. (Gründerszene)

Entwicklung im Recruiting:

Bereits seit mehreren Jahren werden viele Unternehmen durch AI im Recruiting unterstützt. Es reicht schon lange nicht mehr aus, einfach eine Stellenbeschreibung online zu stellen und auf Bewerber zu warten. Das Unternehmen muss aktiv auf die potenziellen Mitarbeiter zugehen und sich vorstellen. Mehr zum Thema Mobile Recruiting findest Du in unserem Blogbeitrag.

Für diesen Schritt gibt es unter anderem sogenannte Sourcing Tools:Smarte Algorithmen, die soziale Netzwerke, Lebenslaufdatenbanken und Business-Netzwerke wie LinkedIn und Xing nach vordefinierten Bedingungen auf passende Bewerber untersuchen. Diese Tools sind bereits eine einfache AI. Chatbots kommen auch immer häufiger zum Einsatz, ein Bewerber kann seine Fragen rund um die Uhr stellen – und bekommt unmittelbar eine passende Antwort.

Robotic process automation (RPA) ist der nächste Schritt im Recruiting. Dabei werden viele einfache und sich wiederholende Tätigkeiten übernommen. Wenn zum Beispiel ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird, wird automatisch seine Schlüsselkarte, Telefonnummer und E-Mail erstellt, außerdem werden seine Zugangsdaten und Berechtigungen erstellt. Dieser Prozess muss lediglich von einem Personaler angestoßen werden.

Doch wo stehen wir morgen?

Doch wo führt die Nutzung von AI und Big Data in Zukunft hin? Braucht man überhaupt noch eine eigene Personalabteilung? Oder ist der Mensch in der Mitarbeiterbeschaffung unersetzlich?

In ein paar Jahren ist es durchaus möglich, dass die AI alleine in der Lage sein wird, einen passenden Bewerber zu finden, das Bewerbungsgespräch alleine durchzuführen, die Verträge aufzusetzen und den neuen Kollegen schließlich einzustellen. Doch noch ist ein vollautomatisiertes Recruiting in Deutschland nicht erlaubt. Laut Bundesdatenschutzgesetz darf ein Algorithmus nicht die Entscheidung über Einstellung und Ablehnung von einem oder mehreren Bewerbern treffen, diese Entscheidung muss final bei einem Menschen liegen.

Daher ist auf eine Personalabteilung mit menschlichen Kollegen nicht zu verzichten. Trotzdem werden sich die Aufgaben – und damit die Aufgabenteilung – im Recruiting grundlegend verändern.

Ist AI wirklich vorurteilsfreier als menschliche Recruiter?

Doch ist das Recruiting rein auf Grundlage der Datenauswertung einer AI wirklich produktiver und fairer für das Unternehmen und den Bewerber? Produktiver ist sie auf alle Fälle. Das Problem mit einer AI ist die Quelle und die Daten, auf die sie sich bezieht. Denn wenn die erhobenen Daten bereits gefälscht oder diskriminierend sind, wird es die AI auch; Eine Künstliche Intelligenz entwickelt sich aufgrund der gesammelten Daten immer weiter und baut auf diesem Gerüst auf.

Die meisten bereits existierenden Daten spiegeln unsere Gesellschaft wider – und diese ist nicht frei von Vorurteilen. Da viele Gesichtserkennungssysteme mit weißen Personen trainiert wurden, erkennen sie schwarze Gesichert schlechter als nichtschwarze. Ein ähnliches Problem entsteht bei automatisch generierten Untertiteln – mit einem akzentfreien Englisch werden die Untertitel problemlos erzeugt, doch bei anderen Sprachen, oder einem mit Dialekten oder Akzenten eingefärbtem Englisch ist es für die AI schwieriger, diese zu erkennen und wiederzugeben.

So kann es passieren dass eine Art Vorurteilssystem entwickelt wird, das sich im schlimmsten Fall auch im Recruiting widerspiegelt. Werden beispielsweise Daten gesammelt, die überwiegend weiße, deutsche Männer als geeignet für bestimmte Jobs einstufen, dann wird die AI unter diesen Annahmen ihr Recruiting betreiben und Frauen, sowie Menschen mit Migrationshintergrund diskriminieren. Wenn dann ausschließlich das Sourcing Tool des Unternehmens die potenziellen Mitarbeiter aussucht, ohne die erlernten Vorurteile von einer Person gegenchecken zu lassen, herrscht eine größere Diskriminierung und Chancenungleichheit als ohnehin schon. (Hochschulforum Digitalisierung)

Fazit:

Die Unterstützung von AI im Recruiting ist schon jetzt nicht mehr wegzudenken: Durch die neue Technik können Personaler stark entlastet werden und sich besser auf andere Tätigkeiten wie Personalentwicklung oder Employer Branding konzentrieren. Dadurch ist es möglich, Personal neu aufzustellen und Kosten zu sparen. Doch an eine Personalabteilung ganz ohne Menschen ist nicht zu denken!
Die Daten, auf die sich die AI stützt, sind oft nicht ausreichend geprüft und auf eine „menschliche” Meinung und Einschätzung ist im Recruiting nicht zu verzichten: Denn ein Programm lernt nicht den Menschen kennen, sondern liest nur seine Daten aus.

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Über den Autor
Unsere Sportskanone Jakob ist einer der Youngsters im Marketing Team. Seine Content Skills beweist er nicht nur in Beiträgen über Studentenmarketing & HR. Er ist auch Autor für unseren Studentenblog.